Welt der Angst

Darin de Paul auf der Star Wars Cantina auf der Bühne
Darin de Paul auf der Star Wars Cantina

Ich war am letzen Freitag in Köln auf der Star Wars The old Republic Cantina. Insgesamt eine nette Veranstaltung, nicht weltbewegend aber durchaus OK. Aber das ist ein anderes Thema, und darum soll es hier nur sehr am Rande gehen.

Ich habe dort eine junge Frau kennengelernt, die biologisch ohne weiteres meine Tochter hätte sein können. Wir haben uns in meinen Augen recht gut verstanden und nett unterhalten. Irgendwann war es dann Zeit, die Räumlichkeiten zu verlassen, oder eher gesagt, wir wurden rausgekehrt. Da ich ohnehin in der Nähe des Bahnhofs geparkt hatte, sie (natürlich, da minderjährig) auch mit dem Zug da war, sind wir zusammen mit einigen ihrer Kumpels noch gemeinsam in die Richtung gegangen. Um sie nicht alleine in die Bahn zu setzen, bot ich ihr an, sie noch zu ihrem Hotel zu bringen. Die Unterkünfte der beiden anderen lagen leider zu weit ab, dafür hätte ich komplett durch Köln durch gemusst. Sie überlegt, es sich, und wollte erst mal gucken, wann der nächste Zug käme.

Irgendwann kam ich ins überlegen. Welchen Vorschlag hatte ich ihr eigentlich gerade gemacht? Ich hatte ihr vorgeschlagen, dass sie in ein Auto eines doppelt so alten Mannes steigen sollte, den sie vielleicht 3h kannte. So fügte ich meinem Angebot noch ein „… wenn du bei mir ins Auto steigst.“ hinzu. In dem Moment merkte ich, wie auch sie ins überlegen kam.

Photoshoot: Devs mit Mandalorian
Photoshoot: Devs mit Mandalorian

Und hier wird es eigentlich komisch. Warum meinen wir, so eine Angst haben zu müssen? Warum fühle ich mich komisch dabei, einfach jemanden nach Hause zu bringen. Warum überlegt sie, ob es wirklich richtig ist, mit mir mit zu fahren?

Ich glaube nicht, dass die tatsächliche Bedrohung durch Mörder/Räuber/Vergewaltiger so groß ist, als dass diese Angst gerechtfertigt wäre. Was ist es also dann? Wahrscheinlich tatsächlich einfach das Bedürfnis nach gefühlter Sicherheit, durch das wir uns selbst in unserer Freiheit einschränken. Nicht nur im Privaten sondern und vor allem auch in sozialen oder politischen Kontexten. Man muss sich ja dafür nur mal die Flughafensicherheitsvorkehrungen anschauen. Wieviele Flugzeugentführungen werden damit jedes Jahr wirklich verhindert? Kaum eine Handvoll würde ich sagen.

Eigentlich schade.

Damit es nicht zu Missverständnissen kommt: Nein, ich bin nicht dafür, dass man ab sofort alle Vorsicht in den Wind schießt, und einfach jederzeit bei jedem ins Auto steigt. Gesunder Menschenverstand und so.

Ach ja: am Ende habe ich sie mitgenommen, nachdem ein Kumpel von ihr sich meinen Perso abfotografiert hatte. Gefühlte Sicherheit.

Ein Kommentar

  1. Callan said:

    Kristian,

    ich schätze Deine optimistische Sicht auf die Welt sehr und fühle mit Dir, dass alleine die Existenz dieser Vorsicht auf mögliches paranoides Gedankengut hinweisen könnte, das vielleicht nicht berechtigt ist.
    Ich kann mich dem aber nicht anschließen. Ganz im Gegenteil denke ich, es war schon immer zwingend erforderlich, niemandem blind zu vertrauen, schon gar nicht, wenn es darum geht, abends in das Auto eines Fremden einzusteigen. Das hat nichts mit gefühlter Sicherheit zu tun, sondern mit echter Sicherheit. Spielemessen eignen sich hervorragend, um Kontakt zu jüngerem Publikum aufzunehmen. Das mögliche Ausnutzen jugendlicher Naivität kann man m.E. nicht mit fast narzisstischem \’gefühlte Sicherheit eben\‘ herunterspielen.
    Vielleicht male ich die Welt schwarzer als sie ist, aber auch die Vermutung, die vermehrten Kontrollen wären dem Risiko nicht angemessen halte ich für sehr, sehr gewagt.
    Ich will an der Stelle nichts unterstellen, aber Deinen Post würde ich eher als abschreckendes Beispiel an Jugendliche verteilen damit sie sehen, wie schlecht vorbereitet sie doch noch für die Welt sind, sicher nicht als Meinung.
    Wir leben in einer Welt, in der Politiker – Vorsitzende in Ausschüssen – Kinderpornographie auf ihren beruflich genutzten Rechner laden; der Weg vom Anschauungsmaterial zum \’selbst machen\‘ ist da nicht wirklich weit. Die Strafen sind lächerlich.
    Wenn die sich nicht selbst schützen, schützt sie niemand. Das hat nichts mit \’gefühlter Sicherheit\‘ zu tun, sondern mit Überlebensinstinkt.
    Bedauerlich, dass sie am Ende mitgefahren ist. Hochachtung für den Bekannten, der am Ende eine Täteridentifizierung hätte durchführen können, wenn es schlimm geworden wäre.
    Wie gesagt, ist nicht persönlich gemeint; aber diese positive Weltsicht können wir unseren Kindern m.E. nicht verkaufen, wenn wir sie am Leben lassen wollen.

    13. September 2015
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